JEWGENIJ

Tragödie des Rechts

Die Sowjetunion vor der Revolution. Armut, Hungersnot, vom Ersten Weltkrieg gebeutelt. Der Zar nimmt der bäuerlichen Landbevölkerung den Großteil ihrer Ernte, es gibt kaum urbane Zentren, Bildung – Fehlanzeige. Unzufriedenheit mit dem feudalen System, der Ausbeutung und Willkürherrschaft des Zaren regt sich nicht nur unter den Armen, sondern auch unter der „Intelligenzija“ – der bürgerlich-gebildeten Oberschicht. Revolution!

Nach dem Sturz des Zaren: Aufbruch, Veränderung, tabula rasa – das Alte ist abgeschafft, plötzlich scheint alles möglich. Der Preis ist hoch: Bürgerkrieg, Tausende Tote, ein verwüstetes Land. Ein Zustand, indem der Traum von der Freiheit und die Gewalt Hand in Hand gehen.

Das geistige Erbe eines Revolutionärs

Inmitten dieser Zeit betritt JEWGENIJ die Bühne der politischen Erneuerung. Rechtstheoretiker und Visionär der frühen Sowjetunion, ein moderner Faust. Teil jener Kraft, die das Gute will und das Böse schafft: Ein nach Macht strebender Mensch. Kein Held, kein Märtyrer, dennoch politisches Opfer stalinistischer Säuberungen – liquidiert, vergessen und verbannt.

JEWGENIJS Thesen und sein Schicksal illustrieren die Tragödie des Rechts. JEWGENIJS Tragödie ist eine Blaupause für jedes Denkmuster, das durch seine Fetischisierung Macht- und Missbrauchspotenzial offenbart. Wir nennen diese obsessiven Denkmuster heute unter anderem Religion, Gesundheitswahn, Selbstdarstellungssucht oder Liberalismus.

Das Ende des Rechtsstaats, es lebe der Rechtsstaat?

Verschwörungstheoretiker*innen, AfD und Fake News greifen im 21. Jahrhundert den Rechtsstaat an. Was können wir aus der Vergangenheit lernen? Brauchen wir Recht und Staat als Herrschaftsform? Gibt es einen kollektiven Konsens oder spaltet sich die Gesellschaft? Die Werteordnung des Humanismus wird neu verhandelt.

Eine Rechtsstaatskrise ist auch eine gesellschaftliche Krise. Das Recht ist dynamisch. Es passt sich den gesellschaftlichen Leitgedanken an. Schutz und Autorität wohnen dem Recht gleichermaßen inne. Werden Minderheiten geschützt oder verfolgt? Wer wird morgen Teil der Minderheit sein?

Labor für neue Perspektiven: Kunst und Wissenschaft

Die dokufiktionale Stückentwicklung ist Teil eines (juristischen) Promotionsvorhabens. In einer interdisziplinären Besetzung löst die Inszenierung den (scheinbaren) Widerspruch zwischen Kunst und Wissenschaft auf. Recht und Tragödie vermischen und gehen im narrativen Theater auf.

Text: Daria Bayer

Regie: Philipp Eschenhagen / Daria Bayer

Bühne: Anton von Bredow

Kostüm: Lili Avar

Kostümassistenz: Octavia Ullmann, Haemin Jung

Mit: Antonia Grosser, Benedikt Bartylla, Britta Boehlke, Leokadia Melchior, Mats Kampen, Nicolas Gerling, Niklas Wolf, Oleg Goldschmidt, Paul Plümpe, Nicolai Szeglia

PR: Justus Duhnkrack

Fotos: Arian Henning

Date & Time

30.05.2019
19:30

Doors open

From: 30.05.2019 18:30
To: 30.05.2019 19:30

Location

Hamburger Sprechwerk
Klaus-Groth-Straße 23
20535 Hamburg

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